Die letzte Etappe
Mit Renmark haben wir wirklich einen guten Ort ausgewaehlt, um uns vor der Grossstadt Sydney noch ein wenig zu entspannen. Obwohl der Murray River in vielen Landesteilen nahezu ausgetrocknet ist, war das Rueckhaltebecken in Renmark voll geflutet und wir konnten dort ein aktives Wassersportparadies erleben. Fuer uns bedeutete dies eine River-Rundfahrt und ein 3-stuendiges abendliches Kanufahren, welches einmal mehr dem wildlife watching diente. Endlich konnten wir auch die Koalas in freier Wildbahn beobachten und den Sonnenuntergang zwischen Pelikanen und anderen Voegeln geniessen.
So richtig zu entspannen wollte aber nur teilweise gelingen, denn nach der Landung stellte ich fest, dass unser Propeller eine Kerbe hatte, mit der weiterzufliegen mir nicht ratsam erschien. Also telefonierte ich mit demjenigen vom oertlichen Fliegerclub, der fuer die Betankung zustaendig war, schilderte ihm mein Problem und er verwies mich an John. Ein weiteres Telefonat und John verprach am Tag unseres Abflugs mit einer Feile vorbeizukommen und sich meinen Prop anzusehen.
Am Morgen vor dem Abflug dann ein zusaetzlicher Stressfaktor. Der Wettercheck im Hotel sagte Gewitter und niedrige Wolkenuntergrenzen in der Gegend um Sydney und vor allem in den Bergen die Sydney vom Outback trennen voraus. Wir sollten eigentllich so frueh wie moeglich weg, aber da war ja noch unser Problem mit dem Propeller.
Entspannung dann am Flugplatz. John hatte uns einen Zettel an die VH-SRE gehaengt: "Dear SRE and SDN, I filed both props." Er hatte sich also nicht nur unseren Propeller vorgenommen sondern auch den von Gabrieles Maschine und wir konnten frueher als gedacht aufbrechen, um in Hay fruehzeitig unseren letzten Tankstopp der Reise vorzunehmen. Gabriele rief auch gleich den dortigen Betanker an, damit wir zuegig von dort wieder weiterfliegen koennten.
Nach einem noch stoerungsfreien, lediglich durch das endlose Geplapper von zwei anderen Maschinen auf der Bord-zu-Bord-Frequenz 123,45 gestoerten Etappe, landeten wir in Hay. Gabriele zuerst. Sie informierte auch gleich den Betanker, dass wir vor Ort sind und uns wurde zugesagt, dass gleich jemand kaeme. 30 Minuten spaeter erfuhren wir dann - ueber eine andere Nummer, die Gabriele in Erfahrung gebracht hatte, dass derjenige der kommen sollte leider auf der Farm ist und deswegen nicht kommen wuerde. Nach langem hin und her fand sich dann doch noch Ersatz, wir bekamen Sprit, hatten unseren Zeitvorsprung eingebuesst, waren aber zumindest wieder in der Luft. Doch jetzt kam die Natur ins Spiel. Links unserer Route baute sich ein Sandsturm auf, an dem wir gerade nich vorbeirutschen konnten, die Lueftung mussten wir allerdings schon schliessen. Kurz danach ueberflogen wir einen Waldbrand, den wir auch gleich an Melbourne Center meldeten. Dann waren wir durch die Berge durch und kamen ans Meer. Einige kleine Schauer, und es stand die Entscheidung an Harbor Scenic Flight in Sydney ja oder nein.
Gabriele entscheid sich in der SDN dagegen, da auf der Strecke volle Beleuchtung der Maschine vorgeschrieben ist und bei ihrer Maschine immer wieder die Sicherungen bei voller Beleuchtung raussprangen. Das Garmin 1000 ist halt doch sehr anspruchsvoll. Kurz vor der Schlusslandung in Camden stellte sich ihre Entscheidung dann als richtig raus, denn mit Landebeleuchtung sprang die Sicherung ein letztes Mal raus und lies sich nicht mehr eindruecken. Damit begann die Battrie schon zu entladen, was bei wenigen Flugminuten aber keine Rolle mehr spielte.
Jane und ich entschieden uns trotz ueber der Stadt stehendem Gewitter fuer den Hafenrundflug. Es lohnte sich, das Wetter war gnaedig, die Ueberraschung kam dann aber doch noch. Von einer anderen Maschine im Rundflug wurden wir auf der Rundlflugfrequenz angerufen und darauf hingewiesen, dass Sydney Radar uns versuchen wuerde zu erreichen. Wir wechselten auf die Frequenz und erfuhren zu unserer Ueberraschung, dass die 30 Minuten vorher erteilte Clearence fuer den Einflug in die Harbor-Runde keine Clearence gewesen sein sollte und wir daher ohne Clearence im Luftraum A von Sydney unterwegs waren. Wir entschuldigten uns hoeflich und mit dem Zusatz German Pilot und hoffen nun, dass wir keine weiteren Auswirkungen im Nachhhinein erfahren werden. Dann ging es auch fuer uns zurueck nach Camden.
In Camden gaben wir zwei Maschinen mit jeweils 50 Flugstunden ab. Wir haben einen wirklich langen Trip hinter uns. Respekt vor Gabriele, die alle Legs nur mit Unterstuetzung durch ihren Autopiloten alleine geflogen ist. Jane und ich konnten uns immer wieder abwechseln, dafuer haben wir jetzt ordentlich an Muskeln draufgepackt, denn unser Autopilot war insgesamt nur ca. 3 Stunden im Einsatz, denn sobald es bumpy wurde meldete er sich ab und Australien ist bumpy wenn man tief fliegt und etwas sehen moechte.
Tipp fuer Australienflieger: Wer auf den vielen Gravel-, Dust-, Sand- oder Naturpisten (das sind die mit den Bueschen) landen moechte, sollte und bedingt eine Feile fuer den Propeller einpacken.